Kindergarten Montan

Montan a.d.W. | Südtirol

Der Kindergarten in Montan, ein Bauwerk welches in den 1060er Jahren entstanden ist, zeichnet sich vor allem durch seine fragmentiert gebauten, schlichten Baukörper mit charakteristischer Dachlandschaft aus. Unter Beibehaltung dieser klaren Geometrie, prägnanten Kubatur sowie ohne Veränderung des Innenlebens des Hauses, sollte nun die Energieeffizienz des Bestandsgebäudes maßgeblich im Rahmen einer energetischen Sanierung gesteigert werden. Das Gebäude weist ein zweischaliges Wandsystem auf: außen Sichtbeton, innen Backstein. Im Zuge der Planungen wurden zwei energetische Varianten eingehend geprüft – eine Innendämmung mit Erhalt der bereits mehrfach veränderten Sichtbetonfassade oder eine Außendämmung zur Schonung der Innenräume und Sichtbacksteinfassade. Aufgrund ökonomischer und organisatorischer Rahmenbedingungen fiel die Entscheidung zugunsten der Außendämmung. Diese Lösung erlaubte es, die Backsteininnenwände sichtbar zu erhalten, die Eingriffe im Inneren auf ein Minimum zu reduzieren und die teilweise Nutzung des Kindergartens während der Bauphase zu garantieren. Die Sanierung umfasste eine vollständige Erneuerung der Gebäudehülle einschließlich der Dachkonstruktionen durch energetisch funktionale Details und führte somit zu einer nachhaltigen technischen und gestalterischen Aufwertung des Bestands. Ein speziell entwickelter Kreativeffektputz mit Granulat aus lokalen Zuschlägen, auf darunterliegend angebrachter Außendämmung, verleiht der Fassadenoberfläche eine feine, strukturierte Plastizität und erzeugt im wechselnden Tageslicht subtile Licht- und Schattenspiele. Die Haptik der Fassade verleiht dem Bau somit eine besondere Materialität. Vorhandene Gestaltungsmerkmale wurden überdies sensibel weitergeführt. Die markanten roten Fensterläden wurden übernommen und konsequent als gestalterisches Leitmotiv eingesetzt. Sie durchziehen, gemeinsam mit den ebenfalls roten Mauerabdeckungen, die Fassade, setzen Akzente an Fenstern und Dachöffnungen und erzeugen eine lebendige Farbigkeit, die Orientierung bietet und zugleich die Identität des Hauses für die Kinder betont. Die Bauarbeiten wurden in einer bemerkenswert kurzen Bauzeit von Anfang Juni bis zum Schulbeginn, also insgesamt zweieinhalb Monaten, umgesetzt. Teilweise erfolgten die Arbeiten bei laufendem Betrieb, was eine präzise Logistik und minimalinvasive Eingriffe erforderte. Im Innenraum beschränkten sich die Maßnahmen auf punktuelle Anpassungen an Fenster- und Dachöffnungen sowie Lüftungsanlagen, sodass die funktionalen und räumlichen Qualitäten der Bestandsräume erhalten blieben. Das Ergebnis ist ein sensibel adaptiertes Bildungsgebäude, das energetische Standards, architektonische Klarheit und atmosphärische Qualität vereint. Somit verleihen die energetischen Maßnahmen dem Bestand ein zeitgemäßes Kleid: Durch die sorgfältige Materialwahl, die reduzierte Eingriffsstrategie und die Weiterführung charakteristischer Elemente entsteht eine harmonische Verbindung zwischen Bestand und Umgestaltung, wobei die Identität des Gebäudes erhalten bleibt, ohne seine zeitgemäße Weiterentwicklung zu behindern.

Typologie: Energetische Sanierung
Standort: 39040 Montan a.d.W.
Lage: 470 m

Grundstücksfläche: 1650m²
Nutzfläche: 500m²
Gesamtkubatur: 2800m³

Projekt und Realisierung: 2023 – 2025
Energiekonzept: Fernwärme
Fotos: Gustav Willeit